
Golden Circle, Island: Das beste Roadtrip-Wochenende eures Lebens
Aktualisiert am: 09.03.2026
Lesedauer: 8 Minuten
235 Kilometer. Mehr braucht Island nicht, um euch vollständig zu überwältigen. Der Golden Circle ist die kompakteste Art, das Beste dieser Insel zu erleben: brodelnde Geysire, tosende Wasserfälle, eine Erde, die sich buchstäblich auseinander zieht. Wir waren mit dem Mietcamper unterwegs – und würden es sofort wieder tun.
Kann man den Golden Circle in Island selbst fahren?
Tourbusse, Gruppenfotos, Selfie-Sticks. Die Hotspots des Golden Circle können voll sein – aber nur, wenn ihr zur falschen Zeit da seid. Mit dem Camper habt ihr das Timing selbst in der Hand. Wir waren am Gullfoss kurz nach Sonnenaufgang. Fast allein. Der Wasserfall donnerte, der Morgennebel hing über der Schlucht, und wir hatten das Gefühl, ganz Island für uns.
Einen Allrad braucht ihr für die Hauptroute nicht – fast alles ist asphaltiert. Nur wer im Sommer ins Hochland abbiegen will, sollte upgraden. Mietcamper in allen Kategorien findet ihr auf CamperDays, die Stationen liegen direkt am Flughafen Keflavík – praktischer geht's kaum.
Lohnt sich der Golden Circle in Island auch im Winter?

Ehrlich gesagt ist Island im Winter eine andere Welt. Ruhiger, weißer, irgendwie echter. Die Hauptstraßen des Golden Circle werden ganzjährig geräumt; nur nach heftigen Schneestürmen kann es kurzzeitig Sperrungen geben. Das Wetter kann schnell kippen – kurzer Check des Straßenzustands am Morgen ist Pflicht.
Der Mietcamper kommt mit Winterreifen, ihr seid also gut unterwegs. Was ihr vorher prüfen solltet: Welche Campingplätze haben geöffnet? Der Platz im Þingvellir-Nationalpark hat im Winter nur eingeschränkten Betrieb. Die Campingplätze in Selfoss und die Skjól Campsite nahe Geysir sind dagegen ganzjährig offen.
Dafür: Zwischen September und März habt ihr reelle Chancen auf Nordlichter. Und die Camperpreise liegen deutlich unter dem Sommerniveau. Kein schlechter Deal.
Start in Reykjavík: kleiner als erwartet, sympathischer als gedacht
120.000 Einwohner*innen. Eine Hauptstadt, durch die man in einer Stunde zu Fuß kommt. Reykjavík ist überschaubar – und genau das macht es charmant. Plant mindestens einen halben Tag ein, am besten an Anfang oder Ende eurer Reise.
Der alte Teil zwischen Stadtsee Tjörnin und Hafen ist der schönste: Rathaus, der Platz Austurvöllur mit Parlament und Domkirche, die bunte Einkaufsstraße Laugavegur. Für den Blick über die Stadt lohnt sich der Aufstieg in den Turm der Hallgrímskirkja – bei klarem Wetter seht ihr bis zu den Gletschern.

Essenstipp: Das Kaffivagninn am Hafen ist eine Institution. Keine Touristenfalle, sondern der Ort, an dem Fischer und Seeleute essen. Wer aufs Budget achtet: Die Salatbars in lokalen Supermärkten wie 10 till 11, Nóatún oder Hagkaup sind überraschend gut und werden von Einheimischen regelmäßig frequentiert.
Sommertipp: Der Thermalstrand Nauthólsvík am Meeresufer ist kostenlos – inklusive Umkleiden, Duschen und Hot Pot.
Spartipp: 40 km südwestlich von Reykjavík liegt die Blaue Lagune. Milchig-blaues Wasser in Lavafeldern, nachweislich hautfreundlich. Aber teuer. Wir würden sagen: Wenn überhaupt, dann als Abschluss direkt vor dem Rückflug – Gepäck in den Spind, ein letztes Bad, dann zum Gate. Günstiger und weniger überlaufen ist die Fontana-Spa in Laugarvatn – mehr dazu weiter unten.
Mosfellsbær: ein Abstecher, der sich lohnt

Auf der Straße Nr. 1 geht es von Reykjavík nach Norden, bis bei Mosfellsbær die Nr. 36 nach rechts abzweigt. Kurz darauf taucht links der Hof Laxness auf – benannt nach dem Literaturnobelpreisträger Halldór Laxness, der hier aufwuchs. Sein Wohnhaus Gljúfrasteinn, wo er von 1945 an mit seiner Familie lebte, ist heute Museum. Kein Pflichtprogramm, aber wer isländische Geschichte mag, macht kurz Halt.
Kurz danach öffnet sich die Hochebene Mosfellsheiði – und plötzlich seht ihr ihn: den Þingvallavatn, den größten See Islands. Fast schwarz im Gegenlicht, umgeben von erloschenen Vulkanen. Erster richtiger Islands-Moment.
Þingvellir: wo die Erde auseinanderbricht

Þingvellir bedeutet "Versammlungsebenen". Für Isländer*innen ist es heiliger Boden: Hier wurde 930 der Freistaat ausgerufen, hier 1944 die Republik gegründet. Seit 2004 ist Thingvellir UNESCO-Welterbe. Ihr werdet verstehen, warum.
Was uns aber wirklich den Atem verschlagen hat, war das Geologische: Hier driften die eurasische und nordamerikanische Kontinentalplatte auseinander. Die Spalten Almannagjá und Hrafnagjá verlaufen von Nordost nach Südwest – man kann buchstäblich in einem Spalt zwischen zwei Kontinenten stehen. Þingvellir senkt sich jährlich um 8 Millimeter und dehnt sich gleichzeitig aus. Der Boden unter euren Füßen bewegt sich – langsam, aber kontinuierlich.
Unser Highlight: Schnorcheln in der Silfra-Spalte. Unser Guide erklärte uns mit ruhiger Stimme, was unter uns liegt – und dann tauchten wir ein. Zwei Grad Wassertemperatur, ein Trockenanzug, und unter uns: nichts. Dunkles, kristallklares Gletscherwasser, kein einziger Fisch, nur die Stille und das Bewusstsein, zwischen zwei Kontinenten zu treiben. Einer der seltsamsten, schönsten Momente unserer gesamten Reise. Es werden auch Tauchgänge bis 15 Meter angeboten – sogar nachts.
Laugarvatn: Entspannung in warmen Quellen

Von Þingvellir geht es auf der Nr. 365 durch ein Lavagebiet, das sich anfühlt wie ein vergessener Planet. Die Straße führt am Fuß eines alten Schildvulkans entlang – rau, schwarz, lautlos.
Das Örtchen Laugarvatn ist im Sommer ein beliebter Rückzugsort mit Sommerhäusern. Die warmen Quellen der Region wurden jahrhundertelang genutzt – für Gewächshäuser, fürs Heizen und zum Entspannen. Die Spa-Anlage Fontana direkt am See ist die entspanntere Alternative zur Blauen Lagune: kleiner, persönlicher, deutlich weniger überlaufen.
Geysir: das Highlight der Golden Circle Route

Schon von Weitem sieht man die Fontäne in den Himmel schießen. Der Strokkur ist ein Show-off: Alle paar Minuten bricht er aus, und ringsherum stehen Menschen mit erhobenen Handys und warten. Lustig anzusehen – aber wir empfehlen, mindestens eine Eruption abzuwarten, bevor ihr euch dem eigentlichen Star zuwendet.
Ein paar Meter weiter liegt der Große Geysir – Namensgeber aller Geysire auf der Welt. Er ist inaktiv, schießt nicht mehr in die Luft. Aber er liegt in einem 14 Meter breiten Becken. Die meisten Besucher*innen laufen achtlos daran vorbei. Macht nicht denselben Fehler.
Rund um die Geysire gibt es noch Dutzende anderer Quellen – mineralreich, in Farben von Türkis bis Rostrot. Wer das Ganze von oben sehen will: Der kurze Aufstieg auf den Laugarfell lohnt sich.
Unser Tipp: Übernachtet hier. Der Campingplatz am Geysir ist gut gelegen, und wer morgens früh aufsteht, hat das Naturschauspiel für sich – während alle anderen noch im Bus sitzen.
Gullfoss: der Goldene Wasserfall

Sieben Kilometer weiter, und dann steht ihr vor einem der beeindruckendsten Wasserfälle Europas. Gullfoss – der Goldene Wasserfall – stürzt in zwei Kaskaden, die in einem 90-Grad-Winkel zueinander stehen, 31 Meter tief in eine Schlucht. Bei Sonne hängen Regenbogen im Gischt. Bei Wind werdet ihr nass. Egal – es ist grandios.
Am oberen Parkplatz gibt es eine kleine Ausstellung und ein Café. Wir waren früh morgens da – kaum Menschen, das Donnern des Wasserfalls, Morgennebel über der Schlucht. Wenn ihr einen Grund braucht, früh aufzustehen: Das hier ist er.
Skálholt und Kerið: zwei Stopps, die überraschen

25 Kilometer weiter zweigt die Nr. 31 nach Skálholt ab. Heute ein ruhiger Bischofsitz, war dieser Ort einst das kulturelle Zentrum Islands. In der Krypta der Kirche liegen die Gebeine von 44 Bischöfen. Im Juli und August finden hier Konzerte statt – das Programm gibt es unter sumartonleikar.is.
Zurück auf der Nr. 35 und 18 Kilometer südlich liegt der Kerið. Ein Explosionskrater, 3000 Jahre alt, 55 Meter tief – und in der Mitte ein See, dessen Blau so unwirklich ist, dass man kurz stehen bleibt und blinzelt. Der Kraterwanderweg oben am Rand dauert 15 Minuten und gibt euch den besten Blick.
Raus aus dem Kreis: Abstecher, die ihr nicht bereuen werdet

Der Golden Circle endet offiziell hier und führt zurück nach Reykjavík. Wir sind mit dem Camper spontan noch zu anderen Sehenswürdigkeiten weitergefahren – und das war die richtige Entscheidung.
Seljalandsfoss: Ein Wasserfall, hinter dem ihr entlanggehen könnt. Klingt gimmicky, ist es aber nicht. Regenjacke mitnehmen – ihr werdet nass. Dafür bekommt ihr eine Perspektive auf Wasser und Licht, die kaum irgendwo sonst möglich ist.
Skógafoss: 60 Meter freier Fall, oft mit Regenbogen davor. Oberhalb startet ein Wanderweg entlang der Klippen. Der Campingplatz direkt am Fuße des Wasserfalls ist – sagen wir mal – ambitioniert bepreist.
Reynisfara: Schwarzer Sandstrand bei Vík, mit Basaltsäulen und tosender Brandung. Für uns einer der schönsten Strände Islands. Respekt vor den Wellen – sie können überraschend weit hochkommen.
Sólheimasandur: Inmitten einer schwarzen Sandwüste liegt ein Flugzeugwrack der US Navy, abgestürzt 1973. Die letzten vier Kilometer nur zu Fuß. Es ist still, surreal und irgendwie unvergesslich.
Landmannalaugar (nur mit Allrad): Bunte Berge, Kraterseen, heiße Quellen im Hochland. Nur über F-Straßen erreichbar, nur im Sommer geöffnet. Wer einen Allrad-Camper hat: unbedingt einplanen.
Fazit: Golden Circle in Island mit dem Camper

Den Golden Circle mit dem Mietcamper zu fahren ist schlicht die beste Art, ihn zu erleben. Ihr schlaft in der Nähe der Sehenswürdigkeiten, seid morgens als Erste da, und müsst nirgendwo hin, wenn es gerade regnet. Abstecher sind spontan möglich. Pausen auch.
Für einen ersten Island-Trip – fünf bis sieben Tage, Kombination mit Reykjavík – ist der Golden Circle ideal. Wer eineinhalb bis zwei Wochen Zeit hat, dem empfehlen wir die Ringstraße: einmal um das Hochland, weniger Touristen, mehr Weite, mehr von diesem Gefühl, das Island so besonders macht.

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